Viele Auswirkungen von Übersetzungen auf die Geschichte

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Betrachtet man die Bildung von Übersetzungen, würden sie ohne die unterschiedlichen Fremdsprachen nicht existieren. Zu Übersetzungen gehört das Schriftsystem und ihre Zeichen dazu. Ohne sie gäbe es kein Transkribieren, wie wir es kennen. Das Übertragen von Schriftstücken hat deutlich Anteil daran, wie viel wir heute über vergangene Kulturen wissen. Kulturen ohne Schriftsystem sind bekanntlich nahezu ins Vergessen geraten.

Übersetzungen haben meist eine wichtige Rolle bei der Erforschung untergegangener Kulturen gespielt. Passende Exempel sind die Keilschrift aus dem Zweistromland oder die Hieroglyphen aus dem antiken Ägypten. Ein Stein ging hier in die Geschichte ein – der Stein von Rosetta. Auf seiner Oberfläche sind drei der antiken Schriften vereint: Demotisch, Altgriechisch und als drittes Hieroglyphen. Was den Stein so bekannt machte, war sein Beistand bei der Dechiffrierung der Hieroglyphen, die bis zu diesem Zeitpunkt nicht übersetzt werden konnten. Ein Mitglied der französischen Armee entdeckte den Stein, als er unter Napoleon Ende des 18. Jahrhunderts nach Ägypten reiste. Obgleich Jean-Francois Champollion nur eine Durchschrift dieser Textmaterialien hatte, gelang es ihm 1822, die ersten Hieroglyphen mithilfe dieser Steinplatte zu übersetzen: Es war ein Text über den Pharao Ptolemaios V. Diese Übersetzung war ausschlaggebend für die nachfolgende Entschlüsselung der Hieroglyphen. Die Erforschung der altägyptischen Zivilisation ist anhand dieser Übersetzung etabliert worden.

Die Steinplatte von Rosetta ist aber nicht das einzige Exempel für die Auswirkung von Übersetzungen auf die Geschichte. Im antiken Rom zum Beispiel wurden viele griechische Textmaterialien ins Lateinische transkribiert. Die meisten dieser Textmaterialien verschwanden während des Mittelalters, ein paar jedoch konnten verborgen in den Klosterbibliotheken „überstehen“ und wurden in der Renaissance erneut aufgefunden.

Übersetzungen der Bibel haben entscheidend die Christianisierung und später die Reformation getragen: Die Übersetzung der Bibel ins Lateinische aus dem dritten Jh. war lange Zeit der wichtigste Text für die römisch-katholische Kirche. Im 16. Jh. trug Martin Luther mit seiner Übersetzung des Buchs der Bücher in die deutsche Sprache dazu bei, die Basis für eine homogene deutsche Sprache zu schaffen.

Übersetzungen von antiken Textmaterialien haben auch die Entfaltung der Forschung vorangetrieben. Die ursprünglichen griechischen Inhalte wurden zunächst ins Arabische übertragen, da der Orient dem europäischen Wissen gegenüber aufgeschlossen war. Zu einer Steigung an Übersetzungsarbeiten kam es in Spanien im zwölften und 13. Jh. Zu jener Zeit entdeckten die Wissenschaftler die Inhalte der arabischen Texte und ließen sie in die lateinische und spanische Sprache transkribieren. Dadurch fanden Texte von Platon und Aristoteles ihren Weg zurück in den europäischen Raum. Überaus gern übersetzt wurden arabische Texte, die Aufsätze über Sternkunde und Rechenkunde beinhalteten. Orientalische Dichtung und Spiele spielten zunächst eine untergeordnetere Rolle und kamen erst später dazu.

In den deutschsprachigen Ländern brachte eine neue Kulturepoche einen vermehrten Ausstoß an Übersetzungen. Die Romantik hatte zur Folge, dass sich eine Menge Intellektuelle ihrer Zeit mit den Gebieten der Malerei, der Musik und der Dichtung beschäftigten. August Wilhelm Schlegel, einer der Mitbegründer der Romantik, sorgte in jener Zeit für die Übersetzung von Shakespeare-Schöpfungen ins Deutsche.

Die Anzahl an Übersetzungen ging im 20. Jh. ein zusätzliches Mal nach oben. Ökonomische Konditionen sorgten nunmehr dafür, dass jetzt der Fachpresse der Vortritt eingeräumt wurde. Übersetzer und Dolmetscher organisierten sich in Berufsverbänden und riefen eigene Ausbildungsstätten für ihren Beruf ins Leben.